Kommt es auf einen mm an?!

Herz - Operation
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adminmarfan
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Kommt es auf einen mm an?!

Beitrag von adminmarfan » 31 Jan 2011 10:50

Nach diversen Gesprächen mit Ärzten, anderen Marfan-Betroffenen sowie Recherche im Internet bin ich etwas verwirrt, was die Indikation für eine OP betrifft. Gerade im Internet finden sich Werte von 40 - 50 mm Aortendurchmesser als Grundlage für eine OP. Manche Kliniken operieren scheinbar schon bei 43 mm, andere erst bei 50 und wieder andere noch später bei 55 mm. 10 mm Unterschied sind doch extrem - gehen einige Kliniken ein zu hohes Risiko ein oder operieren andere vorschnell?

Welche Erfahrungen habt Ihr gemacht? Bei welchem Aortendurchmesser kam es bei Euch zur (geplanten) OP mit Aortenersatz? Ist das wirklich klinikabhängig oder welche Faktoren spielen noch eine Rolle? Ich bin aufgrund der unterschiedlichen Aussagen wirklich verunsichert. Vielen Dank für zahlreiche Antworten, vielleicht auch, in welcher Klinik Ihr operiert wurdet.

adminmarfan
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Beitrag von adminmarfan » 31 Jan 2011 10:50

Hallo Möhre,

1. Der Durchmesser hängt von zum operierenden Aortensegment ab. Für die Aortenwurzel gelten andere Indikationen als z.b. für die aufsteigende Aorta, den Aortenbogen oder die absteigende Aorta. Die absteigende aorta wird z.B. erst ab >5 cm, eher ab 5,5 cm operiert. Um welches Aortensegment handelt es sich denn bei dir?

2. Neben dem absoluten Aortendurchmesser kommt es auch auf die Wachstumsgeschwindigkeit (Progression) an. So wird eine Aorta deren Durchmesser z.B. 4,7 cm beträgt und welche in den letzten 3 Monaten um einen cm gewachsen ist, evtl. sofort operiert, während eine seit Jahren stabile Aorta mit 4,9 cm evtl. zunächst nicht operiert wird.

3. Wichtig ist auch, dass man vom Blutdruck optimal eingestellt ist, um das Wachstum zu stoppen, oder zumindest zu verlangsamen. Blutdrucke unter 110 mmHG, besser unter 100 mmHG sind wünschenswert.

4. Welche Klinik empfehlenswert ist, hängt wiederum vom betroffenen Aortensegment ab. Während z.B. Herzklappen oder auch aufsteigende Aorta standardmässig mit grosser Routine in jeder Herzklinik ersetzt werden, wird der Ersatz des Aortenbogens oder der absteigenden Aorta in nur wenigen Kliniken routiniert durchgeführt. Deshalb ist es wichtig zu wissen um welchen Teil der Aorta es sich bei dir handelt.

5. Viele Informationen zu Herzoperationen bekommst du auch im Forum hier: www.herzklappe.de

Gruß,
Tristan

adminmarfan
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Beitrag von adminmarfan » 31 Jan 2011 10:50

Bei mir geht es um die Aortenwurzel, die aktuell mit 43mm gemessen wurde. In den letzten 2 Jahren hat sie sich um 4mm erweitert.

adminmarfan
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Beitrag von adminmarfan » 31 Jan 2011 10:50

Hallo Möhre,

die Normdurchmesser für die verscheidenen Aortensegment werden in der Literatur wie folgt angegeben:

- Aortenwurzel < 40 mm
- Aorta ascendens < 40 mm
- Aortenbogen < 30 mm
- Aorta descendens < 20 mm

Falls du also über 40 mm in der Aortenwurzel hast spricht man schon von einer aneurysmatischen Erweiterung. In der Literatur finden sich bzgl. kritischem Durchmesser und Operationsindikation Spannen, die von > 45 mm bis > 50 mm reichen (> 55 mm für nicht-Marfan betroffene).
Ob, und ab wann bei dir eine Operation sinnvoll sein könnte kann dir nur dein Kardiologe oder besser ein Herzchirurg sagen.

Sollte aber das Wachstum bei 4 mm in 2 Jahren bleiben, kämmst du erst frühestens in über einem Jahr in den kritischen Bereich von > 45 mm. Wichtig ist, dass du vom Blutdruck optimal eingestellt bist. Am besten ist ein Blutdruck von unter 110 mmHG oder besser unter 100 mmHG. Hier ist sicherlich z.B. ein Betablocker empfehlenswert. Zudem gibt es Hinweise aus der Forschung dass Losartan oder auch Irbesartan das Wachstum der Aortenwurzel bei Marfan verlangsamt und in einigen Fällen auch den Durchmesser schrumpfen lassen kann. Gut sind auch regelmässige 24 Stunden Blutdruck Untersuchungen.
1/2-jährliche Ultraschall und mindestens 1 mal im Jahr ein MRT/ CT sind des Weiteren Pflicht!
Am besten ist, dass du das ganze mit deinem Kardiologen besprichst!

Gruß,
Tristan

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